(Mikro)Biologische
Vorgänge und Stoffumwandlungen im Aquarium
von Frank Gottschalk
Ein Aquarium ist ein in sich abgeschlossenes biologisches
System, in dem eine Vielzahl von Stoffumwandlungen, Auf und Abbau von org.
Substanz uvm. stattfinden.
Von der Vielzahl der Umwandlungsprozessen ist vor
allem der Abbau der Stickstoffhaltigen Eiweißverbindungen von besonderer
Bedeutung. Es sind die Abbauprodukte aus dieser Verbindungsgruppe die das
Wasser negativ verändern. Und der Grund weshalb ein Aquarium ohne „normale“
Filterung[1] und
Pflege in der Regel nicht funktionieren kann.
Die Mineralisierung von Eiweiß (Stickstoffbilanz)
verläuft folgendermaßen
Eiweiß ->
Peptide -> Aminosäuren -> Ammonium/Ammoniak -> Nitrit + Säure ->
Nitrat + Säure.
Bei diesem Umwandlungsprozeß treten gravierende
Wasserveränderungen auf. Nitrat, das Endprodukt des Eiweißabbaus belastet das
Wasser und führt bei Anreicherung zu Algenwuchs. Hohe Nitratkonzentrationen (ab
100 mg/l) erhöhen das Risiko, das sich im Fischdarm giftige Nitrite und
krebserregende Nitrosamine bilden. Mindestens ebenso gefährlich ist, vor allem
bei Wasser mit geringer SBK (Säurebindungskapazität, „Karbonathärte“), die an die Entstehung von
Nitrat gekoppelte Entstehung von Säure. Sie führt erst zu einem Verbrauch der
SBK, und dann zu einem plötzlichen Absacken des pH - Wertes bis auf ca. 4. Dies
bedeutet für die Fische nicht selten ein Todesurteil[2]. Bei
hohen Nitratgehalten ist außerdem die Entwicklung vieler Jungfische gestört[3].
Neben Nitrat und Säure entstehehen aber auch noch
andere unerwünschte Verbindungen: Phosphor bzw. Phosphat ist im Eiweiß und im
Fischfutter enthalten und erhöht ebenfalls sehr stark das Risiko der
Algenplage, insbesondere bei gleichzeitig erhöhten Nitratgehalt.
Unangenehm sind auch eine Vielzahl von stabilen
organische Verbindungen, die sich ebenfalls anreichern: jede biologische
Aktivität hemmende Fulvo- und Gerbsäuren, giftige Phenole und Huminstoffe. Das Vorhandensein dieser
Verbindungen wird durch einen Gelbstich des Wassers deutlich. (Wobei geringe
Mengen an Gerbsäuren und Huminstoffen nicht unbedingt schädlich sein müssen -
so ist die Zugabe von entsprechenden Humin oder Torfextrakten (z.B.
Gottschalk´s Humin pur) bei Fischen aus sog. Schwarzwassern durchaus sinnvoll -
aber wenn diese Stoffe im Zuge einer Zunahme der Wasserbelastung entstehen ist
dies strikt abzulehnen sog. „Altwasser“.)
Bodengrund und Filter
In einem eingerichtetem Aquarium ist es nicht nur
der Filter in dem biologische Umwandlungsprozesse stattfinden, auch im Bodengrund
finden eine Vielzahl von Umwandlungsprozessen, auf und Abbau von org. Substanz
statt.
Da der Filter das (freie) Wasser ansaugt, kann er
nur gelöste Stoffe und kleine, schwebende Partikel aufnehmen. Der Bodengrund
wird, wenn überhaupt (z.B. durch eine Bodenheizung) nur sehr schwach
durchströmt. Er nimmt überwiegend schwerere, schnell absinkende Partikel, wie
Fischkot, Futterreste und absterbende Pflanzenteile auf.
Um die Reinigungsleistung des Bodengrunds zu
steigern haben sich Bodenheizungen allerbestens bewährt, da sie dafür sorgen,
daß der Bodengrund stets mit kleinen Mengen des darüberstehenden Wassers
durchsickert wird. Dadurch werden auch die Pflanzenwurzeln besser mit
Nährstoffen versorgt, und das Risiko, daß Wurzeln abfaulen wird gesenkt. Zum
anderen wird wirkungsvoll verhindert, das sich der Bodengrund zusetzt
(verpappt) [4]. In
Aquarien ohne Bodenheizung befindet sich in den oberen Millimetern des
Bodengrundes eine Temperatursprungschicht (z.B. 26oC im Wasser und
21oC im Bodengrund = Zimmertemperatur) durch diese
Temperatursprungschicht hindurch findet
kaum ein Wasseraustausch statt. Das erleichtert die Entstehung von
unkontrollierbar faulenden Stellen.
Die Unterschiede zwischen der Abbauleistung des
Filters und des Bodengrundes machen sich folgendermaßen bemerkbar: Im
Bodengrund werden Partikel aus Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten von
verschiedenen Mikroorganismen (Einzeller, Würmer, Schnecken usw.) verwertet und
in Lösung gebracht. Von diesen, im Bodengrund in Lösung gebrachten Nährstoffen
ernähren und vermehren sich eine Vielzahl von Bakterien die gelöste Stoffe
aufnehmen, vor allem heterotrophe (d.h. auf organische Substanz angewiesene)
Bakterien, die Aminosäuren und Kohlenhydrate aufnehmen. [5]
Dies hat eine Abnahme der org. Substanz und natürlich
des Sauerstoffgehaltes zur Folge.
Benutzt man als Bodengrund jedoch Sand oder sehr
feinen Kies mit einer Körnung bis max. 1,5mm sind die Zwischenräume zwischen
den einzelnen Kieselsteinen so klein, dass kaum Partikel einsacken können. In
diesem Fall liegen Kot und Futterreste auf dem Boden und können problemlos
abgesaugt werden. Dadurch, dass diese dann wirklich aus dem System entfernt
werden, bevor sie vollständig zersetzt sind, wird aktiv einer Zunahme der
Wasserbelastung entgegengewirkt. Weit über dem hinaus, was ein reiner
Wasserwechsel bewirken kann.
Ein großer Teil der in Lösung gebrachten Nährstoffe)
gelangt in das freie Wasser und so, zusammen mit den löslichen
Ausscheidungsprodukten der Fische in den Filter (ebenso, bei feinen Bodengrund
auch Partikel). Dort gedeihen natürlich auch die heterotrophen Bakterien
bestens, vor allem aber bietet der Filter den
autotrophen Nitrifikanten (anorganische Substanz verwertende Bakterien,
sie oxidieren Ammonium / Ammoniak in
Nitrit bzw. Nitrit in Nitrat) optimale Bedingungen. Erst etwas später
kommen Einzeller (Protozoen) hinzu, die wiederum die Bakterien fressen usw.
Somit entspricht der Filter im Aquarium in etwa
einer 3. Reinigungsstufe in kommunalen Kläranlagen; der Nitrifikationsstufe.
Hier geht es vorrangig nicht darum, Materien zu
entfernen oder festzuhalten, sondern der Filter stellt einen Bioreaktor dar. In
diesem Bioreaktor geht es vor allem um zwei Stickstoffverbindungen: Ammonium
(NH4(1+)) bzw. Ammoniak (NH3) und Nitrit (NO2(1-)). Die Umwandlung dieser
Verbindungen stellt zwar quantitativ, von der Gesamtmenge der Stoffumsetzungen
her gesehen, nur einen nahezu verschwindend geringen Teil dar, ist aber von
großer Bedeutung für die Wasserqualität.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf den Unterschied
zwischen den beiden Bakteriengruppen hingewiesen:
Die heterotrophen Bakterien ernähren sich
ausschließlich von org. Substanz (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß einschließlich
der Eiweißbausteine Peptide und Aminosäuren), die Vermehrung ist sehr schnell,
durchschnittlich alle 20 Minuten (25oC) teilen sich diese Bakterien.
Die nitrifizierenden Bakterien (autotrophe
Bakterien) ernähren sich von Nitrit bzw. Ammonium/Ammoniak (anorganische Salze)
und verhindern so eine entsprechende Vergiftung. Diese Bakterien sind nicht auf
organische Substanz angewiesen – sie ernähren sich nur von den anorganischen
Substanzen Ammonium / Ammoniak bzw. Nitrit und Sauerstoff und Kohlendioxid. Die
Vermehrung ist ausgesprochen langsam, nur alle 20 bis 30 Stunden erfolgt eine Teilung.
Deshalb dauert es ca. 3 - 4 Wochen nach einer Neueinrichtung (oder einer
Neubestückung des Filters) bis kein Nitrit mehr nachweisbar ist. Die Gefahr
einer Vergiftung ist in dieser Zeit extrem hoch.
Ammonium ist das erste Zwischenprodukt des Eiweißabbaus.
Bei pH Werten über 7,5 liegt ein wesentlicher Teil als giftiges Ammoniak vor.
Höchstens 0,5 mg/l Ammonium bzw. Ammoniak sind, bei pH – Werten unter 7,5,
akzeptabel. Ammonium/Ammoniak wird durch nitrifizierenden Bakterien
(Nitrosomonas) im Filter in Nitrit umgewandelt. Nitrit ist ein weiteres
Zwischenprodukt des Eiweißabbaus. Es ist stark giftig. Mengen über 0,3 mg/l
sind kritisch, 2mg/l sind meist tödlich. Nitrit wird durch nitrifizierende
Bakterien (Nitrobakter) in (fast) ungiftiges Nitrat umgewandelt. Nitrit
verhindert u. a. die Sauerstoffaufnahme des Blutes.
Falls in einem Aquarium kritische Konzentrationen
von Ammonium / Ammoniak und / oder Nitrit nachzuweisen sind, dann fehlen noch die empfindlichen und
langsamwüchsigen Nitrifikanten. Im Fall einer Ammonium/Ammoniak bzw.
Nitritvergiftung hilft nur: Fütterung einstellen, häufige, kleine
Teilwasserwechsel, Bakterienpräparate einsetzen. Die Giftwirkung von Nitrit
kann durch die Zugabe von iodfreiem
Kochsalz (max 30g / 10l) etwas reduziert werden.
Die theoretische Zunahme der Wasserbelastung :
Um quantitative Angaben über die entstehende
Wasserbelastung zu machen müssen wir erst einmal etwas rechnen:
Ein Aquarium mit 200 l Wasserinhalt (ca.240l Brutto)
wird täglich mit 1g Trockenfutter gefüttert (realistische Menge für ein schwach
besetztes Aquarium).
Ein typisches Trockenfutter hat grob ca. folgende
Zusammensetzung: 45% Rohprotein, 5% Rohfett, 1% Rohfaser, 8% Rohasche, 34%
Kohlenhydrate und ähnliche Verbindungen und 7% Restfeuchte.
Dabei treten täglich theoretisch folgende
Wasserveränderungen auf:
Der Nitratgehalt steigt um 1,6 mg/l, dadurch nimmt die SBK um 0,025 mmol/l = 0,07 ODKH (Deutsche Karbonat Härte) ab.
Außerdem entstehen 8 mg/l Kohlendioxid und 2,65 mg/l Wasser. Bei der
vollständigen Oxidation von Kohlenstoff ( C ) Wasserstoff ( H ) und Stickstoff
( N ) werden 8 mg/l Sauerstoff benötigt (zusätzlich zu dem im Futter chem.
gebundenen Sauerstoff). Desweiteren enthält das Fischfutter noch andere
oxidierbare Substanzen, die hierbei nicht berücksichtigt sind, so daß man von
einer Gesamtsauerstoffzehrung von ca. 11 mg/l ausgehen kann (Krause 1993). Als
weitere wichtige Verbindung steigt der
Phosphatgehalt um ca. 0,09 mg/l.
|
|
Leitung |
Wöchentl. 15% |
14-Tägig 25% |
Monatl. 30% |
2 Monatl. 50% |
|
NO3 vor WW |
5 mg/l |
80 mg/l |
95 mg/l |
165 mg/l |
197 mg/l |
|
NO3 nach WW |
5 mg/l |
69 mg/l |
73 mg/l |
117 mg/l |
101 mg/l |
|
% Änderung |
|
14 |
24 |
29 |
49 |
|
SBK als oDKH
vor WW |
7 |
4 |
3 |
0 |
0 (-1,5) |
|
SBK als oDKH
nach WW |
|
5 |
4,75 |
2,1 |
2 |
|
% Änderung DKH |
|
20 |
37 |
100 |
175 |
|
pH vor WW ca. |
7,8 – 8 |
7,2 |
7,0 |
5,5 |
Ca. 3-4 |
|
pH nach WW ca. |
|
7,4 |
7,3 |
6,8 |
6,8 |
|
% Änderung H+
Konzentration |
|
158 |
199 |
1995 |
Ca. 600000 |
|
PO4 vor WW |
0,01 mg/l |
4,2 mg/l |
5 mg/l |
9 mg/l |
11 mg/l |
Aus den Werten geht eindeutig eines hervor: je öfter
ein Teil des Wassers gewechselt wird, um so weniger ist das Wasser mit den
Düngestoffen Nitrat und Phosphat belastet. Aber nicht nur die Wasserbelastung
ist geringer. Meines Erachtens wiegt wesentlich stärker, daß es bei häufigen
kleineren Wasserwechseln nicht zu so starken Änderungen der Wasserwerte kommt.
Eine starke Änderung der Wasserwerte bedeuten i.d.R. viel Streß, macht die
Tiere krankheitsanfällig und reduziert extrem die Lebenserwartung.
Bei den errechneten Werten handelt es sich
allerdings, wie bereits erwähnt um rein theoretische Werte, die als absolute
Maximalwerte gelten können. Sie werden praktisch niemals in voller Höhe
erreicht. (andererseits ist die, für die Berechnung zugrunde liegende
Futtermenge sehr niedrig angesetzt.)
Die Sekundärproduktion senkt die Wasserbelastung.
Der Anteil an Stickstoffverbindungen der von den
Mikroorganismen für den Aufbau des eigenen Organismus verwendet wird (als
Eiweiß) gelangt nicht in Form von Nitrat in das Wasser (sog.
Sekundärproduktion). Die meisten dieser Organismen sind mit bloßen Auge nicht
oder kaum erkennbar, (Ausnahme z.B. Schnecken, Scheibenwürmer) machen aber
einen bedeutenden Anteil des Schlamms aus (bis ca. 50% Trockenmasse). So kann
man davon ausgehen, daß das Wachstum und Masse dieser Sekundärproduzenten
mindestens dem der Pflanzen und Algen zusammen entspricht (unter natürlichen
Bedingungen). Durch das eigene Wachstum verhindern diese (Mikro)Organismen
somit, daß alle Stickstoffverbindungen zu Nitrat aufoxidiert werden. Es
ernähren sich viele kleinere Fische in nicht unbedeutendem Umfang von diesen
Organismen. Letztlich werden im Aquarium durch diese „Sekundärproduktion“
(Pflanzenwachstum = Primärproduktion) große Mengen (bis ca. 50%) an
Eiweißverbindungen mittelfristig der Nitrifikation vorenthalten. Aus diesem
Grund ist der Nitratanstieg in einem Aquarium wesentlich geringer, wie aus der
Futtermenge zu Erwarten gewesen wäre.
Einfluß der Aquarien- und Filterpflege auf die Stickstoffbilanz
In einem neu eingerichteten Aquarium ist erst einmal
die Menge aller Mikroorganismen klein. Langsam setzt ein immer stärker
werdendes Wachstum ein. Nach 1-4 Wochen hat sich das Wachstum auf einem hohen Niveau eingependelt (wohl gemerkt das
Wachstum – nicht die Menge selbst). Aber dieser Zustand dauert ohne
Pflegemaßnahmen nicht ewig. Nach einiger Zeit hört das Wachstum auf und die
Mikroorganismenmenge bleibt konstant. In diesem Zustand wird keine weitere
Biomasse zugelegt – die durch Fischfutter in das Aquarium gegebenen Stoffe
werden vollständig respiriert (veratmet, d.h. sie gelangen in das Wasser z.B.
in Form von Salpetersäure) bzw. die assimilierte Substanz (Wachstumsmasse) ist
gleich der mortalem Substanz (Sterbemasse).
Ein etwas anschaulicherer Vergleich:
Wird ein Aquarium mit kleinen Jungfischen ständig
mit der gleichen Futtermenge pro Tag gefüttert, so stellen die Fische, nach
einiger Zeit des Wachstums, das Wachstum ein, da die gefütterte Futtermenge nur
noch dazu ausreicht, die Körperfunktionen aufrecht zu halten, nicht jedoch für
weiteren Zuwachs. Bei Mikroorganismen verhält es sich genauso, mit der Ausnahme
das hier Wachstum eine Zunahme der Anzahl der Individuen bedeutet, während bei
den Fische Wachstum = Gewichtszunahme des Individuums
Mit diesem Wissen kann man nun einen optimierten
Pflegeplan aufstellen:
Regelmäßiger, wöchentlicher Teilwasserwechsel (ca.
15%) mit Mulmabsaugen sorgt dafür, daß ein maximales Wachstum der
Mikroorganismen aufrecht erhalten bleibt, auf diese Weise wird durch eine
maximierte Sekundärproduktion der Wasserbelastung optimal entgegengewirkt. So
kann man die Wasserbelastung bis auf ca. 20-30% des theoretischen Wertes
senken. Mit gutem Pflanzenwuch zusammen ist sogar eine Reduktion der
Wasserbelastung bis auf ca. 10% und weniger des theoretischen Wertes ohne
weiteres möglich.
Es ist jedoch
darauf zu achten, das niemals „klinisch rein“ gemacht wird, was jedoch bei 15%
Teilwasserwechsel auch gar nicht möglich ist.
Ähnlich verhält es sich mit dem Filter, auch hier
sollte ab und zu die Belebtschlammenge etwas reduziert werden (alle 4-12 Monate), aufgrund des
langsamen Wachstums der Nitrifikanten, muß jedoch unbedingt darauf geachtet
werden, das niemals zu gründlich gereinigt wird, da sich sonst Nitrit oder
Ammonium/Ammoniak so stark anreichern kann, daß Fische stark geschädigt werden.
Hygienische Grundlagen der Wasserpflege
Bis
jetzt haben wir einen für Fische und Pflanzen optimalen Pflegeplan aus Sicht
der chemischen Wasserveränderungen aufgestellt. Nun stellt sich noch die Frage
inwieweit dieser Pflegeplan die Mikrofauna stimuliert !
Mit
diesem Pflegeplan werden die Mikroorganismen in einem logarithmischen
Wachstumsbereich gehalten – dadurch wird das Aquarienbiotop nicht mit
Mikroorganismen abgesättigt. In einem Aquarium welches längere Zeit auf diese
Art und weise gepflegt wurde hat sich ein spezifischer, alter Bakterienstamm
etabliert, der ständig ausgedünnt (verjüngt) wird. Diese Reduktion der
Mikroorganismenmenge schafft aber auch gleichzeitig Platz für neue, noch besser
angepaßte und u.U. auch vielfältigere Kulturen, oder anders ausgedrückt: es wird
verhindert, das einige wenige Bakterienarten überhand nehmen und so zu Schäden
bzw. zu einem Ungleichgewicht führen können.
Das
gleich Prinzip wird in kommunalen Kläranlagen angewandt – dort wird immer ein
Teil des „alten“ Belebtschlamms dem neuen Abwasser zugegeben und der zu viel
gewordene, sog. Überschußschlamm am Ende der biolog. Klärung wird entfernt.
Die Keimzahl und der
Infektionsdruck
Neben
den bekannten Krankheitserregern und Parasiten (z.B. Ichtyo, Flexibakter
columnaris) gibt es eine ganze Reihe von Bakterien, die in nahezu jedem Wasser
vorkommen und dort auch teilweise wichtige Aufgaben übernehmen.
Nehmen
diese Bakterien aber Überhand so können Fische geschädigt werden. Man spricht
hierbei von fakultativ fischpathogenen Krankheitserregern. Es ist daher wichtig
mit einer niedrigen Bakterienbelastung im Wasser (bei einer gleichzeitig hohen
Zahl sessiler Bakterien im Filter)dafür zu sorgen, das derartige Erreger nicht
zu Schäden führen.
Die
„neue Lochkrankheit“ bei Koi ist Beispielsweise eine derartige Erkrankung. Sie
wird hervorgerufen durch Pseudomonas und Aeromanas Arten in Verbindung mit
einer geschwächten Kondition der Fische.
Ein weiteres Beispiel ist die chronische Flossenfäule. Sie tritt in unzureichend gepflegten Aquarien
auf. Durch die Kombination von schlechten Wasserbedingungen und einer hohen
Keimzahl im Wasser siedeln sich große Mengen Bakterien auf der Schleimhaut an
und führen so zu Gewebeverlust, der sich zuerst an den dünnen Flossen bemerkbar
macht.
Auch
die chronische Bauchwassersucht läßt sich meist auf die Kombination aus
schlechten Wasserbedingungen und hohen Infektionsdruck zurückführen
Wir
konnten in unserer Zucht und Quarantäneanlage deutlich beobachten, das in
Aquarien, in denen die Filter über Jahre hinweg nicht gereinigt wurden, die
Krankheitsrate zunahm. Wir sind daraufhin dazu übergegangen, ca. alle 6 Monate
die Hälfte der Filterschwämme zu reinigen.
Gifte durch Fäulnis
Einige Bakterien und Pilze produzieren unter Sauerstoffmangel nicht nur die bekannten Giftstoffe wie Schwefelwassersrtoff und Methangas (Sumpfgase), sondern hochgiftige Toxine. Gelangen derartige Stoffen in das Aquarium, kommt es zu starken Problemen. Glücklicherweise passiert dies weniger in Schlammansammlungen, aber bekannt sind Verluste wenn Fische verdorbenes Futter aufnehmen.
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